Wer heute LED Streifen oder LED Leuchtmittel kauft, findet auf der Verpackung oder im Datenblatt eine Energieeffizienzklasse zwischen A und G. Viele Kunden sind irritiert, wenn ein hochwertiger LED Streifen nur die Klasse D oder E trägt. Bedeutet das, dass das Produkt ineffizient ist? Nein. Die EU hat die Energieeffizienzskala im September 2021 grundlegend neu skaliert. Was früher A++ war, landet heute bei D oder E. Das Produkt ist genauso effizient wie vorher, nur die Messlatte wurde deutlich höher gelegt.
Dieser Beitrag erklärt, was die Energieeffizienzklasse tatsächlich aussagt, wie sie berechnet wird, was sie nicht aussagt und worauf es beim Kauf wirklich ankommt.
Die neue Skala: A bis G statt A++ bis E
Bis August 2021 galten für Leuchtmittel die Energieeffizienzklassen A++ (beste) bis E (schlechteste). Das Problem: Durch die rasante Entwicklung der LED Technik landeten immer mehr Produkte in den Klassen A+ und A++. Eine Differenzierung war kaum noch möglich, weil fast alles im oberen Bereich der Skala stand.
Die EU hat deshalb die gesamte Skala zurückgesetzt und durch die Klassen A bis G ersetzt. Die alten Plus-Klassen sind komplett verschwunden. Gleichzeitig wurden die Berechnungsmethoden verschärft und die Grenzwerte nach oben verschoben. Die Klasse A ist dabei bewusst leer gelassen worden, um Raum für zukünftige Innovationen zu schaffen. Die effizientesten LEDs auf dem Markt erreichen derzeit die Klassen C und D, vereinzelt B. Ein LED Produkt der Klasse D ist heute also kein schwaches Produkt, sondern gehört zum aktuellen Stand der Technik.
Wie wird die Energieeffizienzklasse berechnet?
Die Einteilung basiert auf der Lichtausbeute, also dem Verhältnis von Lichtstrom (Lumen) zu Leistungsaufnahme (Watt). Je mehr Lumen eine Lichtquelle pro Watt erzeugt, desto besser die Einstufung.
Die Grenzwerte sind klar definiert. Lichtquellen mit weniger als 85 Lumen pro Watt fallen in die Klasse G und dürfen seit der Einführung der neuen Verordnung nicht mehr in den Handel gebracht werden. Die Klasse F beginnt bei 85 lm/W, Klasse E bei etwa 110 lm/W und Klasse D bei rund 135 lm/W. Für die Klasse A wären über 210 lm/W nötig, ein Wert, den aktuell kein handelsübliches LED Produkt erreicht.
Hochwertige einfarbige LED Streifen mit guter Farbwiedergabe (CRI 90+) liegen typischerweise zwischen 120 und 160 lm/W und landen damit in den Klassen D oder E. Das ist nicht schlecht, sondern der aktuelle Stand der LED Technik bei hoher Lichtqualität.
Was die Energieeffizienzklasse nicht aussagt
Die Energieeffizienzklasse beschreibt ausschließlich die Effizienz der Umwandlung von Strom in Licht. Über die tatsächliche Lichtqualität sagt sie nichts aus. Ein LED Streifen der Klasse E kann in der Praxis eine deutlich bessere Beleuchtung liefern als ein Streifen der Klasse D, wenn er einen höheren CRI hat, ein gleichmäßigeres Binning aufweist oder die passendere Farbtemperatur für den Einsatzzweck bietet.
Folgende Eigenschaften fließen nicht in die Energieeffizienzklasse ein: der CRI Wert (Farbwiedergabeindex), die Farbtemperatur, die Farbkonsistenz über die Streifenlänge (Binning), die Lebensdauer und Degradation, die PWM Frequenz (Flimmerfreiheit), die Qualität der Klebeschicht und die Verarbeitung der Leiterbahnen.
Wer nur nach der Energieeffizienzklasse kauft, riskiert ein Produkt, das zwar effizient ist, aber unter dem die Farben verfälscht aussehen, das nach wenigen Monaten sichtbar an Helligkeit verliert oder das auf Kameraaufnahmen flimmert.

Warum hochwertige LEDs oft schlechter abschneiden
Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Farbwiedergabe und Effizienz. LED Chips mit hohem CRI (90 oder höher) erzeugen ein breiteres Lichtspektrum, das Farben natürlicher wiedergibt. Dieses breitere Spektrum kostet aber Effizienz: Ein Teil der elektrischen Energie wird für Spektralanteile verwendet, die das Auge weniger stark wahrnimmt, die aber für die natürliche Farbwiedergabe entscheidend sind.
Ein LED Streifen mit CRI 70 kann dadurch einen höheren Lumenwert pro Watt erreichen als ein ansonsten identischer Streifen mit CRI 95, einfach weil er sein Spektrum auf die vom Auge am stärksten wahrgenommenen Wellenlängen konzentriert. In der Energieeffizienzklasse steht der CRI 70 Streifen dann besser da, obwohl der CRI 95 Streifen in der Praxis die deutlich bessere Beleuchtung liefert.
Auch warmweißes Licht (2700 K) erreicht in der Regel eine leicht geringere Lichtausbeute als kaltweißes Licht (6000 K), weil die Phosphorschicht zur Erzeugung warmweißer Farbtöne einen größeren Teil der Chipenergie umwandelt. Ein warmweißer LED Streifen kann deshalb in einer niedrigeren Effizienzklasse landen als ein kaltweißer Streifen mit gleicher Wattzahl.
Für welche Produkte gilt das Energielabel?
Das EU Energielabel gilt seit September 2021 für alle Lichtquellen mit einem Lichtstrom zwischen 60 und 82.000 Lumen. Dazu gehören Lampen, LED Module und Leuchten, bei denen die Lichtquelle nicht zerstörungsfrei entnommen werden kann. LED Streifen fallen als LED Module unter diese Verordnung.
Nicht betroffen sind Leuchten mit wechselbaren Leuchtmitteln. Diese tragen seit 2019 kein eigenes Energielabel mehr. Ebenfalls nicht betroffen sind Zubehörprodukte wie LED Netzteile, LED Controller und LED Aluprofile.
Auf dem Energielabel selbst stehen neben der Effizienzklasse der Energieverbrauch in kWh pro 1.000 Betriebsstunden und ein QR Code, der zur europäischen EPREL Produktdatenbank führt. Dort sind geprüfte technische Daten des Produkts hinterlegt.
Energieeffizienzklasse bei farbigen LED Streifen
Das EU Energielabel gilt nur für den Weißlichtanteil einer Lichtquelle. Reine RGB LED Streifen ohne dedizierten Weißkanal benötigen deshalb kein Energielabel, weil sie kein eigenständiges Weißlicht erzeugen, sondern Farblicht durch Mischen von Rot, Grün und Blau.
Bei RGBW LED Streifen und RGBCCT LED Streifen sieht es anders aus: Diese Streifen besitzen einen oder zwei dedizierte Weißkanäle. Die Energieeffizienzklasse bezieht sich in diesem Fall auf den Weißlichtanteil. Da die zusätzlichen RGB Kanäle Platz auf der Leiterplatte beanspruchen und der Gesamtverbrauch höher liegt, fallen RGBW und RGBCCT Streifen in der Effizienzklasse tendenziell niedriger aus als rein einfarbige Streifen mit vergleichbarer Weißlichtleistung.
COB vs. SMD: Unterschiede in der Effizienz
Die Streifentechnologie hat ebenfalls einen Einfluss auf die Effizienz. Bei COB LED Streifen sitzen die LED Chips dichter beieinander als bei SMD Streifen. Das erzeugt ein homogenes, punktfreies Lichtbild, kann aber bei gleicher Helligkeit zu einer höheren Wärmeentwicklung pro Fläche führen. In der Praxis liegen COB und SMD Streifen bei vergleichbarer Qualität in derselben Effizienzklasse, wobei SMD Streifen je nach Chip-Typ einen leichten Effizienzvorteil haben können.
Für die Kaufentscheidung zwischen COB und SMD sollte nicht die Energieeffizienzklasse den Ausschlag geben, sondern das gewünschte Lichtbild: homogene Lichtlinie (COB) oder Einzelpunkte mit Profil und opaler Abdeckung (SMD).

Worauf es beim Kauf wirklich ankommt
Die Energieeffizienzklasse ist ein sinnvolles Werkzeug, um die reine Effizienz verschiedener LED Produkte zu vergleichen. Sie sollte aber nie das einzige oder wichtigste Kriterium sein. Für eine gute LED Installation spielen mehrere Faktoren zusammen.
Die Helligkeit in Lumen pro Meter bestimmt, ob der Streifen für Akzentbeleuchtung, Ambientelicht oder die Ausleuchtung einer Arbeitsfläche geeignet ist. Der CRI Wert entscheidet, wie natürlich Farben unter dem Licht erscheinen. Für Küchen, Badezimmer und Ladenbeleuchtung empfehlen wir CRI 90 oder höher. Die Farbtemperatur bestimmt die Raumwirkung: warmweiß (2700-3000 K) für Wohnzimmer und Schlafzimmer, neutralweiß (4000 K) für Büro und Arbeitsflächen. Und die Lebensdauer und Verarbeitung entscheiden, ob die Installation nach drei Monaten oder nach zehn Jahren noch genauso gut aussieht.
Ein LED Streifen der Klasse E mit CRI 95 und sauberem Binning liefert in der Praxis eine bessere Beleuchtung als ein Streifen der Klasse D mit CRI 70 und ungleichmäßiger Lichtfarbe. Bei Fragen zur Auswahl berät unser Fachteam dich gerne. Telefonisch, per E-Mail oder über WhatsApp.









