Die Formel für die Netzteilberechnung ist nicht kompliziert. Wattzahl des Streifens pro Meter mal Gesamtlänge in Metern, plus eine Sicherheitsreserve. Trotzdem sehen wir regelmäßig Installationen, bei denen das LED Netzteil zu schwach dimensioniert ist und das Netzteil im Sommer in den Schutzschalter geht, der Streifen flackert oder am Ende deutlich dunkler wird. In den meisten Fällen liegt der Fehler nicht in der Mathematik, sondern in zwei vergessenen Faktoren: der Reserve nach oben und dem realen Verbrauch unter Last.
Dieser Beitrag zeigt, wie du das Netzteil richtig berechnest, welche Faktoren in die Rechnung gehören und warum 20 Prozent Reserve nicht optional sind.
Schritt 1: Den Verbrauch des Streifens kennen
Jeder LED Streifen hat eine Wattzahl pro Meter, die im Datenblatt und in der Produktbeschreibung steht. Ein typischer 24V LED Streifen liegt je nach Modell zwischen 6 W/m für dezente Akzentbeleuchtung und 20 W/m für leistungsstarke Anwendungen. COB LED Streifen liegen tendenziell höher als SMD Streifen, weil mehr LEDs pro Meter verbaut sind.
Wichtig: Die Wattzahl bezieht sich immer auf Vollbetrieb, also auf 100 Prozent Helligkeit. Wer dimmt, verbraucht weniger — aber das Netzteil muss trotzdem für den Vollbetrieb dimensioniert sein, weil es sonst beim Einschalten oder beim Hochfahren auf Volllast Schaden nimmt oder abschaltet.
Schritt 2: Die Gesamtleistung ausrechnen
Die Grundformel ist einfach: Watt pro Meter × Meter = Gesamtleistung in Watt.
Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Küchenunterbauleuchte mit 3,5 Metern Länge und einem Streifen mit 14 W/m ergibt 49 W Streifenleistung. Eine umlaufende Voutenbeleuchtung im Wohnzimmer mit 12 Metern und 9 W/m ergibt 108 W. Eine Treppenbeleuchtung mit 15 einzeln beleuchteten Stufen à 0,8 m mit 12 W/m ergibt 144 W.
Wer mehrere Streifen mit unterschiedlichen Leistungen an demselben Netzteil betreiben will, rechnet alles zusammen.

Schritt 3: 20 Prozent Reserve aufschlagen
Das Netzteil sollte nie an seinem absoluten Maximum laufen. Dafür gibt es drei Gründe.
Erstens: Hitze. Ein Netzteil, das dauerhaft an seiner Leistungsgrenze arbeitet, wird heiß. Heiße Elektronik altert schneller, Elektrolytkondensatoren trocknen aus und die Lebensdauer des Geräts verkürzt sich von versprochenen 30.000 oder 50.000 Stunden auf manchmal nur wenige tausend Stunden.
Zweitens: Toleranzen. Die Wattangabe auf dem Streifen ist ein Nennwert, in der Praxis können je nach Fertigungstoleranz, Temperatur und Spannungsschwankung ein paar Prozent mehr fließen. Bei einer Installation, die rechnerisch genau passt, wird daraus eine Überlastung.
Drittens: Anlaufstrom. Im Moment des Einschaltens fließt kurz ein deutlich höherer Strom als im Dauerbetrieb. Das Netzteil muss diesen Stoß verkraften, ohne abzuschalten.
Die Faustregel: Netzteil-Leistung ≥ Streifenleistung × 1,2. Für die 49 W Küchenunterbauleuchte sind das 59 W, also ein Netzteil mit 60 oder besser 75 W. Für die 108 W Voutenbeleuchtung sind das 130 W, also ein 150 W Netzteil. Für die 144 W Treppenbeleuchtung sind das 173 W, also ein 200 W Netzteil.
Mehr Reserve schadet nicht, weniger schadet immer.
Auf die Spannung achten: 12V oder 24V?
Die Berechnung der Wattzahl funktioniert unabhängig von der Spannung. Trotzdem muss die Ausgangsspannung des Netzteils zwingend zur Betriebsspannung des Streifens passen. Ein 12V Streifen an einem 24V Netzteil brennt innerhalb von Sekunden durch. Ein 24V Streifen an einem 12V Netzteil leuchtet nur extrem schwach oder gar nicht.
Bei gleicher Leistung fließt am 12V Streifen der doppelte Strom wie am 24V Streifen. Das hat Konsequenzen für die Kabelquerschnitte und für den Spannungsabfall auf langen Strecken. Aus diesem Grund verkaufen wir hauptsächlich 24V LED Streifen — sie sind in fast jeder Hinsicht praktischer als 12V Streifen.
Bei 24V LED Streifen sollte in der Regel alle 7 bis 8 Meter neu eingespeist werden, um Helligkeitsunterschiede durch den Spannungsabfall auf dem Streifen selbst zu vermeiden.
Konstantspannung, nicht Konstantstrom
LED Streifen brauchen ein Konstantspannungsnetzteil (CV, Constant Voltage). Es liefert eine feste Spannung (12V oder 24V DC), und der Streifen zieht den Strom, den er gerade braucht.
Konstantstromnetzteile (CC) sind eine andere Baureihe und werden für andere LED-Produkte verwendet, zum Beispiel für Einbaustrahler oder LED-Module mit fester Stromangabe in Milliampere. An einem LED Streifen führt ein Konstantstromnetzteil zu unkontrolliertem Verhalten, Flackern oder Schäden. Bei der Auswahl deshalb immer darauf achten, dass das Netzteil als CV oder Konstantspannung gekennzeichnet ist. Auf dem Typenschild steht dann zum Beispiel "Output: 24V DC" mit einer Stromangabe in Ampere, nicht in mA.

Wann sich mehrere Netzteile lohnen
Bei sehr langen Installationen oder verteilten Streifenstrecken lohnt es sich oft, statt eines großen Netzteils mehrere kleinere zu verwenden. Drei Gründe sprechen dafür.
Der erste ist der Spannungsabfall. Lange Kabelwege zwischen Netzteil und Streifen führen zu Spannungsverlusten. Wenn das Netzteil 24V liefert, am Streifen aber nur 22V ankommen, leuchtet der Streifen sichtbar dunkler. Ein zweites Netzteil näher am Streifen löst das Problem.
Der zweite ist die Aufteilung in Zonen. Wenn unterschiedliche Bereiche unabhängig voneinander gedimmt oder geschaltet werden sollen, ist eine Aufteilung mit mehreren Netzteilen oft sauberer als eine zentrale Lösung.
Der dritte ist die Reserve. Ein großes Netzteil, das ausfällt, legt alles lahm. Mehrere kleinere Netzteile sind ausfallsicherer.
Für große Installationen empfehlen wir leistungsstarke Hutschienennetzteile im Sicherungskasten, für kompakte Installationen Slim Netzteile, die in Möbeln, hinter Decken und in flachen Hohlräumen Platz finden.
Was beim Wirkungsgrad zu beachten ist
Ein Netzteil arbeitet nicht zu 100 Prozent effizient. Ein Teil der aufgenommenen Energie wird als Wärme an die Umgebung abgegeben. Hochwertige LED Netzteile erreichen heute Wirkungsgrade von 85 bis 92 Prozent.
In der Berechnung der Streifenleistung spielt der Wirkungsgrad keine Rolle — das Netzteil muss die Streifenleistung am Ausgang liefern, der Verbrauch am Eingang ist eine andere Frage. Wer aber wissen will, wie viel Strom die Installation insgesamt zieht, rechnet die Ausgangsleistung durch den Wirkungsgrad. Eine 100 W Streifenleistung bei 90 Prozent Wirkungsgrad entspricht etwa 111 W Stromaufnahme aus dem Netz.
Eine kurze Tabelle für den Einkauf
| Empfohlene Netzteil-Leistung | |
| bis 25 W | 30 W | |
| 25-40 W | 50 W | |
| 40-60 W | 75 W | |
| 60-100 W | 120 W | |
| 100-130 W | 150 W | |
| 130-160 W | 200 W | |
| 160-250 W | 300 W | |
| 250-330 W | 400 W |
Die Werte enthalten die 20 Prozent Reserve. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt das nächstgrößere Modell.
Häufige Fehler, die wir immer wieder sehen
Streifen nachgerüstet, Netzteil nicht angepasst. Ein Klassiker. Die ursprüngliche Installation hatte 4 Meter, jetzt sind es 6 Meter. Das Netzteil ist überlastet, der Streifen wird am Ende dunkler oder das ganze System schaltet sich nach einer halben Stunde ab.
Mehrere Streifen am selben Netzteil ohne Neuberechnung. Wer einen zweiten oder dritten Streifen parallel an dasselbe Netzteil hängt, muss die Gesamtleistung neu rechnen. Das Netzteil sieht alle Streifen zusammen, nicht jeden einzeln.
Falsche Annahme zur Dimmleistung. Wer dimmen will, denkt manchmal: Ich brauche nur die halbe Leistung, weil ich nie auf 100 Prozent fahre. Falsch. Das Netzteil muss für 100 Prozent ausgelegt sein, weil beim Einschalten kurz die volle Last anliegt und weil sich Lichtszenen ändern können.
Netzteil im falschen Raum. Ein IP20 Netzteil im feuchten Keller oder in einer Außennische geht früher oder später kaputt. Für Außenanwendungen wird entweder ein wettergeschütztes Netzteil oder eine geschützte Einbauposition gebraucht.
Streifen und Spannung vertauscht. Der häufigste fatale Fehler. Vor dem Anschluss immer prüfen: Sind beide auf 12V oder beide auf 24V?
Wenn du dir unsicher bist
Eine grobe Faustregel: Netzteil immer eine Nummer größer als rechnerisch nötig. Wenn die Rechnung 95 W ergibt, nimm ein 150 W Netzteil statt einem 100 W. Der Aufpreis ist gering, der Sicherheitsgewinn deutlich.
Bei komplexen Installationen, langen Strecken oder mehreren Lichtkreisen lohnt sich ein kurzer Anruf beim Fachhändler. Wir helfen gerne weiter — telefonisch, per E-Mail oder über WhatsApp.















